B¨rger Stiftung Stormarn

Bericht eines Zeitzeugen der NS-Herrschaft an der EKG

Am Dienstag, dem 17.12.2013, empfing der 10. Jahrgang der Erich Kästner Gemeinschaftsschule einen besonderen Besucher: Dierk Alfken, Jahrgang 1931 und wohnhaft in Barsbüttel, berichtete detailliert von seinem Leben, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Kontakt war durch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Bürgerstiftung entstanden. Die Schüler hatten sich im Vorfeld gründlich auf die Veranstaltung vorbereitet. Nachdem das Thema Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg in den vorangegangenen Monaten bereits im Weltkunde-Unterricht behandelt wurde, setzten sich die Zehntklässler in den Stunden vor dem Besuch mit Herrn Alfkens Biografie auseinander und entwickelten eigene Fragen, die sie gerne an den Zeitzeugen richten wollten.

Nach der Begrüßung und ein paar einführenden Worten ging es direkt los: Herr Alfken stellte sich kurz vor und begann aus seinem interessanten und facettenreichen Leben zu berichten. Sein thematisches Spektrum reichte von Erzählungen über das oppositionelle Verhalten seines Elternhauses in der NS-Zeit über die Verfolgung seiner Familie durch die Nationalsozialisten bis zu seinen Kriegserlebnissen, die von Kinderlandverschickung, Hungersnot, aber auch ersten Zusammentreffen mit Vertretern der Siegermächte und dem Versuch, seine Angehörigen in den Wirren des Jahres 1945 wiederzufinden, geprägt waren. Hierbei verband Herr Alfken immer wieder kenntnisreich allgemeine Informationen mit persönlichen Anekdoten. Dadurch erreichte das Geschilderte eine Lebendigkeit und Authentizität, die durch Berichte aus Schulbüchern nur schwer zu erreichen ist. Bei seinen Erzählungen achtete Herr Alfken stets darauf, dass auch genug Raum für Fragen aus Reihen des Publikums blieb. Die Schüler nutzen dies, um an einigen Stellen nachzuhaken und vertiefende Fragen zu stellen, auf die er als Zeitzeuge sehr offen einging. Auch war es Herrn Alfken wichtig, darauf hinzuweisen, dass er als Zeitzeuge nur subjektive Eindrücke vermitteln kann und sich seine Beiträge auf das unmittelbar von ihm Erlebte beziehen.

Die Schülerinnen und Schüler hörten Herrn Alfkens Berichten gespannt und interessiert zu und man konnte erkennen, dass der Zeitzeuge sich intensiv mit seiner Vergangenheit beschäftigt hatte und es ihm ein wichtiges Anliegen war, seine Lebenserfahrungen der heutigen Generation zu vermitteln. Besonders hervorzuheben ist hierbei der eindringliche Appell an die Schüler, sich für die Demokratie einzusetzen, um in der Zukunft eine Wiederkehr diktatorischer Systeme zu verhindern.

Als aufrichtiger Erzähler kam Herr Alfken beim Publikum gut an. Mit wachsendem zeitlichem Abstand zu den damaligen Ereignissen wird es zunehmend schwieriger, mit Personen ins Gespräch zu kommen, die die Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkriegs unmittelbar miterlebt haben. Daher war es uns eine besondere Freude, Herrn Alfken an der Erich Kästner Gemeinschaftsschule willkommen zu heißen.

Nikolaus Klebert   ERICH KÄSTNER Gemeinschaftsschule

Zeitzeuge Dierk Alfken

Dierk Alfken