05.08.2026
Bürger-Stiftung Stormarn wächst weiter – in Ahrensburg sind neue Angebote für Menschen mit Depressionen geplant. Oststeinbeker Paar schwärmt von seiner Erfahrung als Stifter.
Marion Harders aus Oststeinbek war Lehrerin mit Leidenschaft. Mit ihrer Stiftung will sie Kinder weiterhin unterstützen.
Marion Harders kennt noch jedes Ihrer Schulkinder mit Namen.
Ahrensburg/Oststeinbek Marion Harders kennt noch jedes Kind mit Namen. „Hier haben wir eine Klassenparty für Jan gemacht, als er sich das erste Mal getraut hat, im Sportunterricht vom großen Kasten zu springen“, sagt die ehemalige Studienrätin und blättert durch ein buntes Album. Es zeigt Bilder aus den 1980er und 1990er Jahren, als sie an einer Schule im Hamburger Stadtteil Billstedt unterrichtet hat. „Das sind alles meine Kinder“, so die heute 81-Jährige. Die Fotos erzählen von Ausflügen, Bastelnachmittagen und Theateraufführungen. Die Kinder sehen glücklich und sorgenfrei aus. „Die Schule war für viele Schüler der einzige Ort, an dem sie unbeschwert sein konnten“, weiß Marion Harders. „Er hier“, sagt sie und zeigt auf einen blonden Jungen mit rot-blauem Pulli, „wurde von seiner Mutter auf die heiße Herdplatte gesetzt, weil er nicht aufgehört hat zu schreien.“ Das Mädchen neben ihm kannte ihren Vater nur betrunken. „Die Familienverhältnisse waren oft schwierig bis katastrophal“, sagt Harders. Umso mehr wollte sie den Mädchen und Jungen wenigstens während der Schulzeit einen geschützten Raum bieten, in dem sie Kind sein konnten. Und das möchte sie auch heute noch.
„Mit unserer Stiftung wollen wir vor allem junge Menschen unterstützen, die nicht das Glück haben, in sorgenfreien Umständen groß zu werden.“ Mit „wir“ meint Marion Harders sich und ihren Mann Gerd, den sie 1962 kennenlernte und zehn Jahre später heiratete. Aus gesundheitlichen Gründen konnte das Ehepaar selbst keine Kinder bekommen. Umso intensiver kümmerte sich die junge Lehrerin um ihre Schülerinnen und Schüler. Sie steckte sogar einen großen Teil ihres Gehaltes in Unterrichtsmaterial. „Das Dach war undicht und wir hatten Schimmel in den Klassenzimmern“, erinnert sie sich. Die als „Problemschule“ bezeichnete Einrichtung am Rhiemsweg war für sie dennoch immer ein Ort voller Möglichkeiten. „Wenn Kindern Vertrauen geschenkt wird, können sie über sich hinauswachsen.“
Informationen über bestehende Projekte und Wegweiser zur eigenen Stiftung finden Sie unter www.buerger-stiftung-stormarn.de. Per E-Mail erreichen Sie das Büro unter info@buerger-stiftung-stormarn.de, telefonisch unter 04537 / 70 700 13.
Gerd und Marion Harders unterstützen mit ihrer Stiftung benachteiligte Kinder und Jugendliche
Deshalb gründeten Marion und Gerd Harders unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn die Eheleute Harders-Stiftung. Ihr Vermögen soll dauerhaft Erträge erwirtschaften, mit denen Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche gefördert werden. „Wir wollten etwas schaffen, das bleibt – auch wenn wir selbst irgendwann nicht mehr da sind“, sagt Gerd Harders.
Genau dafür bietet die Bürger-Stiftung Stormarn den passenden Rahmen. Anders als bei einer eigenen rechtsfähigen Stiftung müssen Stifterinnen und Stifter keine eigene Verwaltung aufbauen, keine Jahresabschlüsse erstellen oder sich um rechtliche Vorgaben kümmern. Die Bürgerstiftung übernimmt diese Aufgaben. Gleichzeitig bleibt der Stifterwille erhalten: Jede Treuhandstiftung und jeder Stiftungsfonds verfolgt den individuell festgelegten Zweck. So können auch kleinere Vermögen dauerhaft Wirkung entfalten. Unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn engagieren sich inzwischen sieben regionale Bürgerstiftungen und 61 Stiftungsfonds. Sie fördern Kultur, Bildung, Natur- und Umweltschutz, Sport, soziale Projekte oder die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Senioren – immer mit dem gemeinsamen Ziel, das Leben im Kreis Stormarn nachhaltig zu verbessern. Seit Gründung der Dachorganisation im Jahr 2007 konnten mehr als 2,3 Millionen Euro ausgeschüttet und guten Zwecken zugeführt werden.
Foto Timon Kronenberg
Genau das macht das Konzept einer Bürgerstiftung aus: „Viele Menschen verfolgen ihre ganz persönlichen Herzensanliegen, profitieren aber von einer gemeinsamen Organisation, kurzen Entscheidungswegen und einer professionellen Verwaltung. Aus vielen einzelnen Ideen entsteht so ein starkes Netzwerk für Stormarn", so Annika Grote, Vorstand Bürger-Stiftung Stormarn.
Die Ahrensburgerin Monika Proske-Ley verstärkt seit Mai den Stiftungsbeirat.
„Es ist wunderbar, ein Teil davon zu sein“, sagt Monika Proske-Ley. Die Ahrensburgerin verstärkt seit Mai den Stiftungsbeirat und hat sich gleich einer großen Aufgabe angenommen: der Projektkoordination der Eheleute Schmöger-Stiftung. Die Stiftung, die sich der Aufklärung über Depression und seelischer Gesundheit widmet, wurde zwölf Jahre lang mit Herzblut von Ursula Pepper, Ahrensburgs ehemaliger Bürgermeisterin, betreut. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Proske-Ley. Die Ideen sprudeln aus ihr heraus. Die ersten Veranstaltungen sind bereits fest geplant. „Wenn ich mich engagiere, dann nicht nur auf dem Papier“, so die 59-Jährige, die das Ehrenamt im Stiftungsrat als wirkliche Ehre betrachtet. „Ich habe schnell gemerkt, dass die Menschen hinter der Bürger-Stiftung Stormarn groß denken und sich auch gern auf Neues einlassen.“ Bevor Monika Proske-Ley endgültig Ja zur Stiftungsarbeit sagte, lernte sie Vorstand und Geschäftsführung der Bürger-Stiftung Stormarn kennen. „Es war mir wichtig, dass das Zwischenmenschliche passt.“ Und das tue es. Ergänzend zu den bereits etablierten Projekten der Eheleute Schmöger-Stiftung möchte sich die dreifache Mutter auf die Bereiche seelische Gesundheit bei Jugendlichen und bei Menschen mit Fluchterfahrung und Migrationsgeschichte konzentrieren. Ihre berufliche Erfahrung bei der AWO Bildung und Arbeit hilft ihr dabei: Hier begleitet sie Menschen, die es besonders schwer haben, engmaschig in den Arbeitsmarkt. Sie sagt: „Psychische Krisen sind oft unsichtbar. Umso wichtiger ist es, dass Menschen lernen, sie zu erkennen und angemessen zu reagieren.“ Für den Herbst 2026 plant sie im Ahrensburger Peter Rantzau-Haus einen Erste-Hilfe-Kurs für seelische Gesundheit, an dem jeder Interessierte teilnehmen kann.
Heike Todt und Wolfgang Mertingk (mittig) nach der Stiftungsgründung.
Dass Engagement ganz unterschiedlich aussehen kann, zeigt ein weiteres Stifterpaar unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn: Wolfgang Mertingk und Heike Todt. Mit ihrer Stiftung MERTO setzen sie eigene inhaltliche Schwerpunkte und profitieren gleichzeitig von den Strukturen und der Erfahrung der Dachstiftung. Wie das Ehepaar Harders haben auch sie sich bewusst gegen eine eigene Verwaltungsstruktur entschieden. So fließen Zeit, Kraft und finanzielle Mittel vor allem dorthin, wo sie am meisten bewirken – in die Projekte selbst. Warum Wolfgang Mertingk eine Stiftung gegründet hat? „Ich weiß, was es heißt, eine schwierige Kindheit zu haben“, sagt der heute 78-Jährige. Er musste als Kind schon hart arbeiten, hatte kaum Freiraum. Alles, was der diplomierte Kaufmann im Leben erreicht hat, hat er sich selbst verdient. „Nicht jeder hat die Chance, aus eigenem Antrieb etwas zu schaffen“, sagt er. Daher fördert seine Stiftung vor allem Projekte, die die berufliche Aus- und Weiterbildung von Schülern und Studierenden unterstützen, die selbst keine eigenen finanziellen Möglichkeiten haben. Wolfgang Mertingk hat selbst keine Kinder. „Dann will ich wenigstens anderen Kindern auf ihrem Lebensweg helfen.“ Er hält regelmäßigen Kontakt zum Stiftungsbüro, das ihm förderungswürdige Projekte vorstellt. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man dann miterlebt, was das eigene Handeln bewirken kann. Für uns ist es nur Geld – aber was daraus entsteht, kann lebensverändernd sein.“
Und Marion Harders? Sie blättert weiter durch ihr altes Fotoalbum. Viele der Kinder von damals sind heute selbst Eltern. Manche haben den Kontakt gehalten. „Wenn ich sehe, was aus ihnen geworden ist, weiß ich, dass sich jeder Einsatz gelohnt hat“, sagt die pensionierte Lehrerin. Ihre Stiftung soll genau das auch künftig ermöglichen – weit über ihre eigene Lebenszeit hinaus.