07.08.2026
Mit 25.000 Euro unterstützt die Bürger-Stiftung Stormarn Kurse in DRK-Tagesstätten in zwölf Städten und Gemeinden Stormarns. Zehn Stiftungsfonds unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn haben sich zur Realisierung dieses Projektes zusammengeschlossen.
Bild: Staunen, lernen, ausprobieren: Stormarner Kindergartenkinder testen die Rettungsdecke und erfahren somit, wie sie sich im Ernstfall vor dem Auskühlen schützen.
Foto: DRK Kreisverband Stormarn e.V.
„Hilfe holen!", schnell wird auf den Tasten eines Spielzeugtelefons der Notruf gewählt. Foto: DRK Kreisverband Stormarn e.V.
von Petra Sonntag
Stormarn Der große Teddy liegt regungslos auf dem Boden der DRK-Kindertagesstätte Gartenholz. Um ihn herum knien konzentrierte Vorschulkinder. „Hilfe holen!", ruft die sechsjährige Mira entschlossen. Tomte (6) wählt auf den Tasten eines Spielzeugtelefons den Notruf, die anderen Kinder betten Teddy vorsichtig in ein Tragetuch. Was wie ein Spiel aussieht, vermittelt eine wichtige Botschaft: Helfen kann man nicht früh genug lernen.
Genau hier setzt das Projekt „Teddy braucht Hilfe“ an. Mit einem speziell für Kita-Kinder entwickelten Erste-Hilfe-Kursus führt das Deutsche Rote Kreuz mit Unterstützung der Bürger-Stiftung Stormarn die Jüngsten spielerisch an das Thema Hilfeleistung heran. In vier aufeinander abgestimmten Modulen lernen Vorschulkinder im Alter von fünf und sechs Jahren die wichtigsten Schritte im Notfall kennen: den Verletzten sichern, Hilfe holen, trösten und versorgen. Dabei steht nicht Perfektion im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung, dass jeder helfen kann.
Erzieherin Inge Hasenbank vermittelt an diesem Vormittag, was zu tun ist, wenn die Kinder sich beim Roller- und Radfahren, durch ein Haustier oder eine Rangelei verletzen – oder Oma plötzlich umkippt, während sie ihren Enkel betreut. Sie nimmt den Anruf von Tomte entgegen und stellt ihm jene Fragen, auf die eine Leitstelle im Ernstfall Antworten braucht. „Wir wollen die Kinder mit Notfallsituationen vertraut machen und praktische Erfahrungen ermöglichen, die die Kinder ermutigen und befähigen, zu helfen“, sagt Karin Schmidt, Erste-Hilfe-Ausbilderin beim Deutschen Roten Kreuz, die Inge Hasenbank zuvor geschult hatte, damit diese ihr Wissen kindgerecht weitervermitteln kann. „Wir spielen viele Situationen mit den Kindern durch, zum Beispiel die eigene Adresse am Telefon nennen zu können oder die Notausgänge in der Kita zu kennen“, erklärt Inge Hasenbank. „Und als uns zum Abschluss die Oma eines Kita-Kindes, eine pensionierte Ärztin, besuchte und zeigte, wie ein Fingerkuppenverband sein soll und wie man Brandwunden versorgt, habe ich selbst noch etwas gelernt!“
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Der Teddy in den besten Händen: Gemeinsam versorgen die Stormarner Kinder ihren kleinen Patienten mit viel Sorgfalt. Foto: DRK Kreisverband Stormarn e.V.
Zehn Stiftungsfonds unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn haben insgesamt 25.000 Euro zur Verfügung gestellt und damit das Anschaffen von Schulungsmaterial, Ausbilden von pädagogischen Fachkräften und Durchführen von „Teddy braucht Hilfe“-Kursen in Stormarner Kitas ermöglicht. „Im Kindergartenjahr 2025/2026 konnten wir die Kurse nicht nur in allen Vorschulgruppen der 21 DRK-Kitas im Kreisgebiet durchführen, sondern auch in Kitas anderer Träger“, sagt Andrea Plambeck, Leiterin der Breitenausbildung beim DRK-Kreisverband Stormarn. Die Bürger-Stiftung hatte ihre Förderzusage daran gekoppelt. So profitierten Kitas in Ahrensburg, Ammersbek, Bargteheide, Bad Oldesloe, Delingsdorf, Großhansdorf, Oststeinbek, Reinbek, Reinfeld, Rümpel, Tangstedt und Trittau ebenfalls von dem Präventionsangebot.
„Für die Kinder war es eine wertvolle Erfahrung“, sagt Michaela Lohrmann, Leiterin der Kita Wöhrendamm in Großhansdorf. „Sie konnten wichtige Handlungsabläufe kennenlernen und eigene Kompetenzen entdecken.“ Neben den Lerneffekten macht „Teddy braucht Hilfe“ auch richtig Spaß, sagt Nico Broers, Erzieher in der Ahrensburger Kita Stadtzwerge, die den Kursus zum Abschluss ihrer Projektwoche „Mein Körper und ich“ nutzte. Er begleitete 40 Vorschulkinder während der Schulungen und stellte sich geduldig zur Verfügung, als es galt, Kopf-, Arm- und Handverbände zu üben. „Am Ende sah ich wie eine Mumie aus“, schmunzelt er. „Wir hatten alle viel Spaß beim Verbinden.“ Seine Einrichtung hofft, ebenso wie die Kita Gartenholz, auf Teddys Wiederkehr im neuen Kita-Jahr, um die nächste Generation Vorschulkinder für das Thema Erste Hilfe zu sensibilisieren. Die Fortsetzung der Kurse wünscht sich auch der DRK-Kreisverband, denn das Echo der Kitas ist durchweg positiv. „Die Kinder haben die erlernten Hilfsmaßnahmen auch lange nach Teddys Besuch noch in den Spielen und im Tagesablauf eingesetzt“, berichtet Andrea Plambeck.
„Helfen kann man nicht früh genug lernen. Man kann durch „Teddy braucht Hilfe“ jüngeren Kindern schon früh viel beibringen“.
Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Bürger-Stiftung Stormarn, freut das ganz besonders. Der passionierte Erstretter hatte den Austausch mit dem DRK-Kreisverband gesucht, mit der Brigitte-Voß-Stiftung eine erste Förderin des Projekts an Bord geholt, weitere akquiriert und ein Jahr in die Vorbereitung investiert. „Man kann durch „Teddy braucht Hilfe“ jüngeren Kindern schon viel beibringen“, sagt Schumacher. „Kinder haben keine Scheu, anderen zu helfen. Je eher man ihnen das Thema näherbringt, desto selbstverständlicher wird Erste Hilfe für sie.“ Spielerisch ans Helfen herangeführt zu werden, kommt beim Nachwuchs gut an. Miras persönliches Highlight: „Dass wir unsere Kuscheltiere mitbringen und auch verarzten durften, fand ich am tollsten.“
„Kinder so früh wie möglich dafür zu begeistern, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen, macht sie nicht nur mutiger, sondern stärkt auch ihr Selbstwertgefühl“ (Ralph Klingel-Domdey, Vorstand der Bürger-Stiftung) Foto Timon Kronenberg
Derzeit überarbeitet der Kreisverband das Gesamtkonzept des Projekts. Der Plan ist, kindgerechte Informationen zum Bevölkerungsschutz in die Schulung zu integrieren. Und Teddy soll künftig auch die Grundschulen im Kreis besuchen. Das DRK will bis dahin das Angebot noch bekannter machen, auf der Website des Kreisverbands Stormarn und in den Sozialen Medien. „Kinder so früh wie möglich dafür zu begeistern, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen, macht sie nicht nur mutiger, sondern stärkt auch ihr Selbstwertgefühl“, sagt Ralph Klingel-Domdey vom Vorstand der Bürger-Stiftung Stormarn. „Somit sind es aus meiner Sicht sogar erste Schritte hin zu gelebter Zivilcourage im späteren Leben.“